Denken sie
Auch manchmal
An mich
Beschaulichkeit
Setzt Triebe
Gedanken
Von der Zeit
Entkoppelt
Ihr Mund
Soweit
Gar manchmal
Scheu ich
Ihren Blick
Da ihre Hand
Auf meiner liegt
Bedacht
Setz ich den Fuß
Als könnte ich
Entkommen
Nur scheinbar
Weiche ich
Dem Sog
Möchte kraftvoll
Mich ergeben
Autor: Monica Burger
Dein Herz
Dein Herz
So schwer
Begräbt
Was leicht noch
Gestern
Heimat fand
Ich sehe
Ohne Furcht
Doch hartes Wort
Liegt auf den Lippen
Beschleunigung
Und Abgesang
Drum hebe an
Die Hoffnung
Wagt
Verborgne Kraft
Böse war ich
Böse war ich
Nie
Geheilt von meiner Sehnsucht
Leise kaum gehört
Begeh ich meine Schuld
Verträumt
Reiß ich die Wunden
Berühre sanft
Was unerhört
Gehe weiter ohne Blick
Lass ich zurück
Betrogen
Betrogen
Nicht ich spannte den Pfeil
Du bist betroffen
Nicht doch
Ohne Schuld
Deine schönen Auge spiegeln mein Gesicht
Deine Gesten schlagen sanft mein Herz
Du glaubst das Ziel betraf nur deine Seele
Weit gefehlt
Der Raum erfüllt von dir
Benebelt meine Sinne
Süß und klebrig
Wehmuts Last
Noch weißt du nicht
Dein Los viel leichter
Du Schöne
Zeit vergeht
Betagt
Betagt
Noch nicht erfroren
Schlummert er
Der Zweifel folgt
Verzagte Flucht
Unbekannte Sehnsucht
Füttert diesen Wunsch
Hielt ich Dich in meinem Arm
Könnte ich verweilen
Belächelt seid ihr
Belächelt seid ihr
Nicht müde eure schon vergebene Unschuld zu beteuern
Neigt die Köpfe
Bis die Zeit das Andlitz hebt
Stolz besteht ihr
Vielleicht bis morgen
Bekränzt erwacht
Bekränzt erwacht
In wüstem Land
Gewandert
Verschoben
Schon morgen
Wird der Blick
Ein anderer sein
Doch auch
Verwischte Spuren
Haben einen Abdruck
Gesuchter Mund
Vertieft
Vergraben
In verzauberter
Vergänglichkeit
Belasse Dich
zum Schwur
mit Schweigsamkeit
Abbilder
Rita
Der harte Gummistöpsel war wie immer tückisch. – Nie wusste man genau, ob er das Wasser hindurch ließ. – So war es besser, den Stand genau zu beobachten um eine ungewollte Durchlässigkeit zu verhindern.
Das laute Einfließen des Wassers, dass von der Resonanz der befliesten Wände noch verstärkt wurde, war wie ein akustischer Coucon, dessen Präsenz das Gehirn ausschaltete.
Gewissenhaft prüfte Rita die Temperatur. – Keinesfalls durfte es zu kalt sein, dann doch lieber leicht verzweifelt den Schmerz des heißen Wassers ertragen bis der Körper selbst sich an diese Situation gewöhnt hatte.
Rita trug heute den türkis geblümten Bikini, der zwar ihre leichte Blässe unterstrich, aber so
wunderbar zu den zartgrünen Fliesen passte.
Jedes mal aufs Neue war der Moment, an dem der Wasserspiegel die Nabelgrenze passierte, eine Offenbarung. – Einzutauchen.
Sie wusste, es war an der Zeit eine Entscheidung zu treffen, doch wie kann man eine solchen
Moment der vollkommen Hingabe durch Konkretion zerstören. Mit geschlossenen Augen ließ sie, durch kaum merkliche Bewegungen, Wellen entstehen, die sich liebevoll an ihrem Hals brachen.
Allmählich schleicht sich die Angst ein. – Die Vorahnung, wie es sein wird, wenn das Wasser sinkt und am Körper die Kälte zurücklässt. Dieses Wissen drückte sich von Mal zu Mal schneller ins Bewusstsein und verkürzte tragisch die Zeit des Genusses.
Das provokante Rülpsen, wenn der letzte Rest im Loch verschwindet und die schrumpelige Haut durch eiskaltes Wasser abgeschreckt wird.
In diesen Momenten ersehnte sich Rita jeweils, ein fürsorglicher Beschützer hielte, aus dem Nichts kommend ein vorgewärmtes leicht raues Badetuch bereit und umhüllte sie, bevor sie in die Realität zurück kam.
Manchmal überlegte sie, wie dieser Ritter aussehen könnte und hoffte insgeheim, durch ein
solches Zeichen eine Möglichkeit für eine mögliche Entscheidung für sich zu entdecken.
Warum war es an ihr zu bestimmen was geschieht, warum konnte das Leben nicht unerwartet eine vergessene Tür öffnen. – Wie man verzweifelt am Automaten an der U- Bahnhaltestelle steht und feststellt, dass man sein Geld zuhause hat liegen lassen. Plötzlich bemerkt man das Loch in der Manteltasche und als man tiefer greift findet man drei Euro die sich im Futter verfangen haben.
Ein kleiner akrobatischer Akt, den Plastikverschluss zum Klicken zu bringen. Auch nach dem Öffnen mag sich das nasse Körbchen kaum vom Busen trennen.
Mit aller Kraft presste Rita das Wasser aus dem Stoff, ein Würgevorgang der sie wieder an ihre eigentliche Wut erinnerte.
Je mehr sie diese Rituale hasste desto mehr wurden sie unvermeidliche Gewohnheit.
Musik. – Er war zurück. Sie war noch nicht bereit.
Mit beiden Armen griff sie in den mit schon trockener Wäsche gefüllten Wäschetrockner.
Die Waschschüssel hatte sie draußen stehen lassen. – Also war die Badewanne die einzige Möglichkeit. Auf dem kurzen Weg von Trommel zur Wanne waren zwei Socken und ein Waschlappen abhanden gekommen. – Langsam ging Rita in die Knie. – Nach einigen Minuten legte sie den türkisfarbenen Bikini in die freigewordene Trommel und konnte erst wieder aufatmen, als das Geräusch des Trockners sie von draußen abschirmte.
Es ist lange her, dass sie es ertrug, Geräusche mit ihm, in einem Raum, zu hören. – Dabei kam es nicht darauf an, ob er, sie oder etwas anderes dieses Geräusch verursachten.
Alleine die Tatsache, gemeinsam wahrnehmen zu müssen, brachte ihr Herz zum Rasen und
ließ sie zu unkontrollierten Wutausbrüchen hinreißen. – Das Absurde war nur, wenn er nicht da war, umgab sie die Stille wie kalter Schweiß.
Tag für Tag suchte sie nach dem Fehler. – Irgendetwas musste sie übersehen haben.
Doch je mehr sie dachte je mehr zersetze sich ihr Wille zu handeln.
Wenn er ihre Hand nahm um sie zurück zu ziehen, spürte sie seine Hilflosigkeit und ihre ungerechte Wut gab ihm keine Chance.
Manchmal war es gerade sein Verständnis, dass die Situation unkontrollierbar werden ließ.
Manchmal seine demonstrative Konkretion seiner Gesten und Handlungen.
Vielleicht war es besser gänzlich ins Badezimmer zu ziehen und erst wenn auch die letzte
Schwingung seiner Bewegungen verklungen sind, nach draußen zu kommen.
Ich liebe ihn. – Doch es ist, als hätte man gerade eine Allergie gegen etwas was man besonders mag und ohne das man sich sein Leben kaum vorstellen kann.
Immer wenn sie entschlossen den Trockner abstellte, war sie sich sicher, dass sie eine Entscheidung getroffen hätte, doch sobald sie die Tür entriegelt und nach draußen trat hatte sie die getroffene Entscheidung vergessen und überlegte während sie ihn umarmte wie sie doch gewesen war. – Aber sie war ihr entfallen.
18gradminus
Seine subjektive aus dem Fenster auf die Strasse.
Man hört das klicken der Ampel.
Sein Spiegelbild ist im geöffneten Fenster zu sehen,
als er aus dem Bild geht.
Im Bild – das leere Zimmer, das spärlich eingerichtet ist.
Eine Küchenzeile – 2 Betten – 1 Kommode
und ein geschmückter Weihnachtsbaum.
Zuerst hört man nur das Brummen des Kühlschranks
und das unablässige Klicken der Ampel.
Dann wird aus dem Nachbarraum das Geräusch einer Dusche vernehmbar.
Die Tür wird aufgeschlossen und sie betritt die Wohnung.
Sie stellt die mitgebrachte Plastiktüte neben den Kühlschrank.
Sie füllt Wasser in einen Wasserkocher und bereitet sich einen Beuteltee.
Mit der Teetasse und einer Zuckerdose setzt sie sich auf das Fensterbrett
und schaut auf die Strasse.
Sie leckt ihren Zeigefinger ab und taucht ihn in den Zucker.
Die Zeit wird immer langsamer und der Blick der Kamera immer genauer.
Die Kamera tastet den Raum ab.
Im Spülbecken ist ein Teller mit Essensresten, auf dem sich Fliegen paaren.
Die Kamera sucht nach Kleinigkeiten, Indizien.
Sie taucht den Teebeutel ins Wasser und zieht ihn vorsichtig wieder heraus.
Ihr Blick geht auf den Gehweg unterhalb des Fensters.
Man sieht einen großen Fleck.
Sie schaut durch das Fenster hindurch auf die Küche.
Noch immer brummt der Kühlschrank –
noch immer ist das Klicken der Ampel zu hören.
Sie geht aus dem Bild.
Im Off vernimmt man das Öffnen des Kühlschranks
und das Knacken beim Öffnen des Gefrierfachs.
Sie sitzt wie ein Kind vor dem geöffneten Eisschrank
und entwickelt – wie zu Weihnachten – das tote Embryo aus Staniolpapier.
Mit viel Ruhe holt sie aus ihrer Jackentasche ein paar Häkelsöckchen
und stülpt sie über die winzigen Füße.
Das Rauschen der Dusche hört auf
und Sie wickelt ihr Kind schnell aber behutsam wieder ein,
schließt das Gefrierfach und den Kühlschrank.
Sie geht zum Fensterbrett – nimmt ihren erkalteten Tee.
Es dämmert.
Aus dem Kiosk an der Ecke ist der singende Weihnachtsroboter zu hören.
Sie schließt das Fenster und setzt sich aufs Bett.
Er kommt herein – schaltet den Christbaum ein
und geht ohne ein Wort zum Kühlschrank – nimmt sich ein Bier,
öffnet es und setzt sich auf die andere Seite des Betts.