Traum Bambis Schwestern

Julie und Mimmi sind vor der Kapelle, an den Gebetsbänken.
Julie hat den Kopf tief nach vorne gebeugt.
Beide haben ein Kommunionkleid an und zwei Schleier liegen auf den Bänken.
Mimmi steht neben Julie und gießt vorsichtig Wasser aus einer Kanne über Julies Kopf.
Julie richtet sich auf und ihr geschorene Kopf wird sichtbar.
Mimmi küsst Julie auf die Stirn und setzt ihr den Schleier auf den Kopf.

Peter steht im Pfarrerordinat in der Kapelle und entzündet eine Kommunionskerze.
Er blickt nach draußen und sieht Julie und Mimmi in den Wald laufen.
Mimmi verliert dabei ihren Schleier.
Peter geht zurück in die Kapelle und löscht die Kerze.

Im Off
Peters Stimme – Gesang

Bereut
Geglückt ist der Verstand
Folge euch wo ihr auch seid
Doch treffe nicht das Herz
Nicht böse auch nicht rein
Magie und Sehnsucht
Zweifel
Das Schicksal strömt durch meine Lippen
Ein Licht in meinem Herz
Erlischt
Im Dunklen such ich meinen Weg

– 18 –

Pia

Warum ging dieses Stäbchen immer so schwer in die vorgestanzten Löcher.
Mit der einen Hand hielt sie das zarte Riemchen, mit der anderen versuchte sie, das Stäbchen mit Treffsicherheit an seinen Bestimmungsort zu bringen.
Mit einem flüchtigen Blick nahm sie wahr, dass die Sonne schien. – Also höchste Zeit, nach draußen zu gehen. – Mit großem Schwung fand sie ihren Stand auf den nun angeschnallten, gigantisch hohen Pumps.
Jetzt musste nur noch durchdacht sein, welcher Mantel an einem solchen Tag passend war.
Nichts durfte heute, gestern, morgen, zufällig oder gar beliebig sein.
Sie war bereit. Ein kurzer intensiver Blick in das reflektierende Gegenüber und die Tür wurde geschlossen.
Egal wo sie auch hinging, war ihr Schritt immer zielstrebig und durchdringend. Ihre Augen sezierten ihr Feld und gaben die gewonnen Informationen an die Geschichtenmaschine weiter.
Am liebsten trug sie Sonnenbrille, um die Richtung und den Ausdruck ihrer Augen verborgen zu halten. Je mehr sie Äußeres wahrnahm je mehr konnte sie sich von ihren Gefühlen schützen.
Es war von Mal zu Mal das Gleiche – sie verliebte sich. – Nur kurz. – Dann war er einer der Seiten, die mit Nagellack zusammengehalten werden und nur mit Zerstörung wieder voneinander getrennt werden konnten.
Mit dem trocknen des Nagellacks, an den Seiten ihres Tagebuchs, glaubte sie auch jedes Mal, diesen fatal chemischen Geruch des Lacks auf der Zunge zu schmecken.
Keine der Seiten hatten eine Bedeutung, so wollte sie es wissen, und doch etwas blieb.
Warum wollte jeder mehr erfahren, als das was offensichtlich war. – Sie war doch nicht mal selbst bereit. – Wozu ? – Solche unvermeidlichen Diskussionen blähten ihren Kopf und trieben ihn wie eine Leiche ans Ufer.

Klebrig

Klebrig, träge liegt ,
Vergangenheit – Erinnerung schwer im Magen .
Verdaut geglaubtes, stößt so manchmal wieder auf
Doch spitzt, mit langer Nase, die Zukunft
Ihren Kopf zur Tür hinein
Kann man ihr traun
So schelmisch lächelnd
Wer weiß was sie verbirgt
Wankend zwischen Qual und Lust
Die Gegenwart
Wär doch alles mehr versöhnlich
Ließe was es war
Und nähme wie es kommt
Hallo du trübes Bild von gestern
– was kümmert mich dein fettes Leid
Ahoi, setz Segel
Bevor das denken uns im Wege steht

Es ist an Dir
Die Route zu bestimmen
Und Heute ist schon morgen Satz
Der langsam in die Tiefe schwebt
Um Teil des Grunds zu werden
Doch gibt’s – noch anderes
Wer häts geglaubt
Das unser Spiel durchdringt
Verwandt mit beiden
Qual und Lust
Beschleicht, durch einen Spalt
Sehnsucht
Unser Herz

Sprache ein Land indem ein jeder einsam ist

Sprache ein Land indem ein jeder einsam ist
Zu viele Zeichen sind Pfeile ohne Ziel
Sie treffen dennoch
Man forscht man glaubt verstand versagt
Lange brauchts vom Mund zum Ohr
Ins Herz
Schweigen ungesprochne Gesten
Wie schön dein Blick – soviel
genügt

In der Nacht wird der Mund trocken

In der Nacht wird der Mund trocken. Ich liege wach und überlege ob ich trinken soll.
Dein Atem ist flach. Immer wieder überfällt mich die Angst du könntest aufhören, dich davonstehlen. Wie ein Dieb der glaubt genug erbeutet zu haben.
Die nächtliche Einsamkeit ist eine andere als die am Tage. Bedrohlicher, entgültiger.
Es ist absurd, den ganzen Tag ersehne ich den Abend. Ist er da so möchte ich mich betäuben, um die kommende Nacht zu überleben. Wie zwei Selbstmörder wollen wir die Schuld unseres Leids dem anderen abtrotzen. Der Wein seziert sarkastisch unser Hirn und wir rasen ungebremst in ungewollte Feindschaft.
Eine zwei Liter Flasche Wasser steht neben meinem Bett und ich bin unfähig sie zu greifen.
Als wäre ich so geschwächt, dass der Körper seinen Willen verloren hat.
Ich weiß wie sehr ich dich mal für mal verletze. Spüre deine Verzweiflung wenn ich dir keine Chance belasse zu mir zu dringen. Du möchtest mich schütteln mir wehtun um wenigstens meine Hülle zu erreichen. Stumm schreie ich dir zu – gib auf. – Doch nur du weißt ich lüge.

Wie feiner Staub

Wie feiner Staub
Im Sonnenlicht
Verschwimmt die Wahrheit
Vor dem Auge
Was einmal greifbar
Tanzt unbeschwert
Und ohne Ziel
Gemeinsam war
Vergangenheit
Ist unser
Du glaubst
Es ist
Die Macht
Die nicht
In unsren Händen liegt
Doch
Während du das sagst
Betrachte ich
Die Teilchen
Schimmernd
Von dem Schein
Der sie erleuchtet
Schönheit
Des Zerfalls
Und Ende
Eines Traums

Böse war ich

Böse war ich
Nie
Geheilt von meiner Sehnsucht
Leise kaum gehört
Begeh ich meine Schuld
Verträumt
Reiß ich die Wunden
Berühre sanft
Was unerhört
Gehe weiter ohne Blick
Lass ich zurück

Kein Wort über die Leere

Beschämt und doch vergnüglich. – Mit Vorwitz, unverholen tritt sie ein.
Vergessen unsre letzte Nacht, vergessen was so gar nicht trüblich mich umgab.
Hatz Fatz vorbei – nun bist du da. – Alt bekannt, wie ein Pärchen, dessen goldne Zeit
Schon längst gewesen. Ich kuschle mich in deine schwülstig warme Süßlichkeit und Tränen
Wagen sich hervor. – Melancholie geboren aus dem Nichts. Vertreibe meine Kraft und schaffe Sehnsucht, die mich traurig macht.

Ziehe ein und fühle nichts – sollte doch die Freiheit sein. Blaue Luft, ein kühner Schritt
Zu neuen Ufern meines Seins. – Verdammt wo bleibts.

Doch froh Gemuts, wandle ich auf schmalem Steg, der Abgrund hält mich aufrecht.
Ein trefflich Lehrer für das Rückrad, dass gar zu gern sich beugt.

Genuss als Mittel gegen Trübsal, nur bringts der Stengel nicht so recht. Erwähnte ich das Putzen? – nicht? – nun denn, so seis.

Schau ich in den tiefen Eimer, spiegle mich und fühl mich doch verkannt. – Tauche meinen Lappen in das warme Nass. – Nun beginnt die harte Phase, der Kampf, das zuviel mich umgibt. Alles was mich auf Bodenhöhe quert – ein Hindernis. Gäbs doch diese Freiheit, und wärs nur für den Feudel, der ohne Rast mit vollem Schwung durch diese Ebne glitt.
Nun stoß ich hier, verkannte dort – ein Wisch voll Kompromiss. An dieser Stelle folgt die Wut, warum muss ich begrenzt sein, von Stühlen, Tischen, Altpapier, banaler ist kein andres Scheitern. Zuletzt sitz ich erschöpft in meiner Lache, betrachte meinen Lappen der
Schwarz und klumpig zu mir steht.

Zwei Katzen

Zwei Katzen
Mag man meinen
Sind häufig
Eins zuviel
Doch trug sich zu
Das Schicksal
Die beiden Aug in Aug
Ein andres Wesen sahen
Nun war es schon zu spät
Mit wüster Liebelei

Fall – Beispiel

Enno sitzt vor seinem Leberwurstbrot und dem lauwarmen Kakao auf dem sich eine Haut gebildet hat.
Fast unbewusst greift sich Enno zwischen die Beine, wenn er die zusammengezogene Milch mit einem kleinen Löffel von der Flüssigkeit trennt.
Sie hatte nicht mitbekommen, dass er bereits 13 war, seine Vorlieben und sein Körper sich verändert haben. Für sie wird er wohl noch immer der Junge sein, der, wenn er schlecht geträumt hat, ins Bett gemacht hat und sich damit rausredet, er hätte diese Nacht so sehr geschwitzt. Sie wusste nicht, dass er an manchen Tagen keine Farben sehen konnte und der einzige Freund nachts, sein noch lebender Teil zwischen den Beinen war.
Er wusste, auch sie war einsam und daher wollte er sie nicht auch noch enttäuschen.
Mit geschlossenen Augen biss er in das Brot, über dessen Rand niemals Wurst ragte und schluckte das Stück ohne zu kauen mit einem großen Schluck Kakao hinunter.

Auf dem Jungsklo
Reno: Wollen wir Unterhosen tauschen? – Hätte gerne den Geruch von deinem an meinem.
Enno: Ich bin nicht schwul.
Reno: Woher willst du das denn wissen, außer dir selbst hats ja wohl noch keiner mit dir getrieben.
Enno: Warum fragst du mich? – Piet hat bestimmt ne Hose von Boss und lässt auch noch ein bisschen was zum lecken drin.
Reno: Deiner gefällt mir besser. – Laß mich mal riechen, ich bin Experte.
Enno: Fass mich bloß nicht an, sonst hau ich Dir eins in die Eier, dann kannst du die Zelte deiner Oma nehmen.
Reno: Bleib geschmeidig Kleiner. – Ich bin auch nicht schwul, aber zum spielen hätt ich trotzdem Lust. – Ruf mich an.

Enno hatte gehofft, sie würde sich ändern. – Jetzt waren sie schon mehr als ein Jahr von ihm weg und sie saß immer noch bis morgens um drei vor dem Fernseher, in ihre Polardecke gehüllt und schlief. Dabei sah ihr Körper fast aus, als hätte sie Magenschmerzen.
Wenn er unerwartet nach Hause kam, stand sie vor dem Fenster und sah nach draußen.
Am liebsten hätte er für sie geschrien, stattdessen machte er nur den Kühlschrank auf, nahm sich eine Cola und ging, Langeweile demonstrierend, auf sein Zimmer.
In diesen Momenten hasste er sie für ihre Schwäche. – Warum nahm sie ihn nicht wahr, er würde alles tun, nur um einmal von ihr gesehen zu werden.
Das Gespräch mit Reno hatte ihn vollends aus der Bahn geworfen. – Wenn er jetzt auch noch schwul wäre. Zusammengekrümmt lag er auf seinem Bett und versuchte dem Drang zu wiederstehen, wenn er jetzt stark sein kann dann würde alles gut werden, er durfte nur nicht schwach werden. Sie brauchte ihn, ob er wollte oder nicht.

Der Himmel

Der Himmel
geschwollen unter den Lidern
gezogener Schwur
weißer Streif in der Ferne
ohne Anfang ohne Ende
stehe nackt mit geschlossenen Augen
ein kleiner blauer Punkt
liegt auf der Zunge
schlägt aus
und schießt hinauf zur Stirn
bewegter Mund
ein Lächeln
zwischen hier und dort

Du stehst im Wort

Du stehst im Wort
Vereinsamt
Vergessen
Glaubst Du
Frei zu sein
Doch trügt Dich
Dieser Schein
Umgrenzt nur
Kann das nichts
Befreit
Unendlichkeit
Erschaffen
Verweht
Der Tritt
Den Du verlassen
Nur vager Dunst
Das Ziel
umschreibt

Just in time II

Jacob wie jeden Tag.
Sitzt in seinem BMW – scheucht die anderen Autos vor sich durch die befahrenen Straßen der Großstadt.
Der unvermeidliche Knopf im Ohr überträgt ohne Unterlass Informationen in sein Hirn, die ihn bisweilen zu unkontrollierten Ausbrüchen hinreißen.
Wie immer zu spät…
Sein Termin muss noch warten – Parkplatz – Engpass.
Was soll´s – Jacob überlässt seinen Wagen dem Schicksal: Halteverbot.
Jacob verschwindet in einem der überdimensionalen Glashäuser.
Durch die ab und zu geöffnete Tür des Büros dringen Wortfetzen einer geschäftlichen Debatte – Termingeschäfte…

Jacob stürzt aus dem Büro, überrennt beinahe seine Sekretärin mit dem frisch gebrühten Kaffee.
Er nimmt den Aufzug – schaltet sofort wieder sein Handy ein: Mailbox / wichtige und dringende Nachrichten und:
„Wir haben nicht mehr viel Zeit, uns zu sehen.“

Jacob auf der Straße…
Sieht noch in der Autoschlange seinen BMW am Abschlepphaken.
Wie besessen reißt er den Knopf aus dem Ohr und läuft zum nächsten Taxi – Flughafen…
In aller Ruhe verstaut Jacob sein Handy in der Tasche des Vordersitzes im Taxi.
Alles wird von nun an anders sein…
Jacob geht zum Schalter: „Wann geht der nächst Flug nach Thessaloniki?“
„Morgen um 10.30 Uhr!“
„Das ist zu spät! – Was fliegt jetzt?“
„In einer halben Stunde wäre ein Flug nach Scharm-el-Scheich möglich!“
„Gut!“

Die Formalitäten werden erledigt. Kurz entschlossen kauft Jacob eine etwas zu große Leinenhose und ein T-Shirt und packt seine anderen, edlen Habseligkeiten in die neu erworbene Plastiktasche – sein Gepäck.

Das Flugzeug landet.
Jacob mietet einen Taxi-Fahrer. Es ist heiß. Das Ziel: die offene Wüste – weit und scheinbar unendlich.
Ein kurzer Tankstop und eine gute Möglichkeit, an der Tankstelle noch einen Kaffee zu sich zu nehmen.
Er trifft auf eine junge Dame, eine Österreicherin, die gleichsam sich auf Reisen befindet und ihren Wagen betanken lassen möchte.
Sie sind froh, sich die Zeit zu vertreiben, da weit und breit kein Tankwart zu sehen ist, der sie bedienen könnte. Auch mit dem Kaffee wird es somit nichts…

Ein Beduine zieht Jacob beiseite. Jacob hatte ihn zuvor nicht bemerkt. In fast unverständlichem Englisch macht er deutlich, dass er ihm den besten Kaffee bereiten könnte.

Jacob zahlt den Taxi-Fahrer.

Die Österreicherin wartet weiterhin geduldig auf einen Tankwart und auf einen Kaffee, während Jacob mit dem Beduinen in einem alten Wagen davon fährt, der bei jedem Schlagloch zusammen zu brechen droht.
Jacob denkt sich zunächst, der Beduine führe nur eine kurze Strecke.
Doch dauert die Reise exakt 2 ½ Stunden, eine Reise mitten durch die Wüste.
Auch sind die Wege extrem und anstrengend. Der Motorlärm des alten Wagens macht eine Unterhaltung beschwerlich bis unmöglich.

Dauerhaft läuft eine Kassette mit starken Rhythmen, die jedoch nur einseitig abspielbar ist.
So hören beide entweder Musik oder das Spulen des schon sehr in Mitleidenschaft gezogenen Bandes.

Weit und breit ist niemand zu sehen. Jacob schaut in die Landschaft und in sich selbst –
(Flashback – Begegnungen mit Soulis – Erinnerungen und Fahrt wechseln sich ab)

Nach 2 ½ Stunden.
In der Ferne sieht Jacob ein einsames, schwarzes Beduinen-Zelt.
Der Beduine zeigt Jacob an, dass sie bald ihr Ziel erreicht haben – sein Zelt, bestehend aus zwei Kammern : eine für Gäste, die zweite für seine Familie.

Nach der Ankunft bittet der Beduine Jacob, herumliegendes Holz aufzusammeln, damit er Feuer machen könne.

Mit viel Zeit und Ausdauer entfacht der Beduine ein Feuer, greift dann in einen Leinensack und holt grünen, ungerösteten Kaffee hervor, den er in einem eigenen Rhythmus in einer Pfanne röstet. Das regelmäßige Kreisen der Bohnen ergibt eine eigene Stimmung und Musik.

Der Beduine beendet den Röstvorgang und zerstampft die Bohnen in einem Mörser. Auch hier ergibt sich eine rhythmische Musik: 2x Stampfen 1x Schlagen – an den Rand des Mörsers.
Der Kaffee wird gekocht und auf zwei kleine Tassen verteilt.

Jeder Schluck eine Besonderheit.
Die Unterhaltung wird in einer eigenwilligen englischen Sprache geführt, die häufig in sich versiegt.

Der Beduine lädt zur Rückreise ein – eine Rückreise von weiteren 2 ½ Stunden.
Er räumt sein Zelt auf, säubert die Gegenstände, die Tassen und lächelt…

Auf der Fahrt träumt Jacob von der 3. Begegnung mit Soulis.

Sie fahren zurück zur Tankstelle – keine Österreicherin, kein Tankwart, niemand.
Jacob steigt aus und schaut in die Ferne. Dann blickt er auf den Beduinen, verneigt sich leicht, um nicht die falschen Worte zu wählen.

Der Beduine fährt davon, mit röhrendem Motor, gegen den Wind. Jacob hört ihn noch lange.
Der Fahrer eines Kleintransporters erbarmt sich seiner und nimmt Jacob mit zum Flughafen.

Er ist nun bereit – und fliegt nach Thessaloniki.

Landung / Taxifahrt – es ist schon Nacht und die Stadt lebt, erleuchtete Straßen, schöne, junge Menschen, laute Musik überall.

Jacob geht die letzten Meter zu Fuß. Er steht in der Häusergalerie und schaut in die Höhe – 2. Stock. Er klopft.

Soulis öffnet. „Du bist rechtzeitig mein Freund.“
Sein Wohnatelier mit den alten Mosaikböden oberhalb des lautstarken Stadtlebens – die antike Puppenstube riecht nach Abschied.
Jacob hilft Soulis die schmalen Stiegen hinauf auf die Dachterrasse – bewohnt von Tauben mit Blick auf die Unverblümtheit der Stadt.

Soulis Bett steht auf der Terrasse.
„Ich dachte, dann sehen mich die da oben schneller, als die da unten.“

Jacob setzt sich in einen alten Liegestuhl, Soulis auf sein Bett – beide sitzen und schweigen.
Jacob trinkt – Soulis versucht es ab und zu…
Soulis beginnt zu singen (oder mehr: flüsternd zu krächzen) – Jacob fällt mit ein. Beide lachen.
„Du hast schon immer falsch gesungen, Jacob!“
Jacob schaut auf die Straße herunter und weint…
„Mein Freund lass uns beide nach oben schauen!“

Jacob und Soulis liegen beide auf dem etwas zu schmalen Bett und schauen in den Himmel.
„Hol uns eine Decke.“
Jacob geht hinunter.

Soulis stirbt.

Jacob deckt ihn zu, setzt sich in den Liegestuhl und bewacht seinen Freund. Der Tag bricht an. Es wird nichts mehr so sein wie es war.
Jacob telefoniert: „Nun – ich kann nicht bleiben – ich ziehe einfach die Türe zu – ich werde heute zurückfliegen – bis bald!“

Jacob holt aus seiner Plastiktasche den zerknüllten Anzug, wechselt seine Kleider und verlässt die Wohnung.

Er läuft quer durch die Stadt und nimmt Abschied. Jacob schaut auf die Uhr –
Wenn er den nächsten Flug bekommen möchte, ist es Zeit…
Mit dem Taxi fährt er zum Flughafen checkt ein und sitzt – für ihn sehr plötzlich – im Flugzeug.

Nichts mehr wird sein, wie es war.

Die Stewardess: „Kaffee?“

Jacob blickt auf, schüttelt den Kopf und spürt den unwiederbringlich-bitteren Geschmack eines unwiederbringlichen Moments auf der Zunge…

Galerie

Duxius – Daredevil – Making Of


Konzeption, Regie, Choreografie für das Video „Daredevil“ von Duxius (Youtube ↗).


Fotos © Holger Kral, Berlin – kral-photography.com