Weiterlesen, weiterlesen!
18gradminus
Seine subjektive aus dem Fenster auf die Strasse.
Man hört das klicken der Ampel.
Sein Spiegelbild ist im geöffneten Fenster zu sehen,
als er aus dem Bild geht.
Im Bild – das leere Zimmer, das spärlich eingerichtet ist.
Eine Küchenzeile – 2 Betten – 1 Kommode
und ein geschmückter Weihnachtsbaum.
Zuerst hört man nur das Brummen des Kühlschranks
und das unablässige Klicken der Ampel.
Dann wird aus dem Nachbarraum das Geräusch einer Dusche vernehmbar.
Die Tür wird aufgeschlossen und sie betritt die Wohnung.
Sie stellt die mitgebrachte Plastiktüte neben den Kühlschrank.
Sie füllt Wasser in einen Wasserkocher und bereitet sich einen Beuteltee.
Mit der Teetasse und einer Zuckerdose setzt sie sich auf das Fensterbrett
und schaut auf die Strasse.
Sie leckt ihren Zeigefinger ab und taucht ihn in den Zucker.
Die Zeit wird immer langsamer und der Blick der Kamera immer genauer.
Die Kamera tastet den Raum ab.
Im Spülbecken ist ein Teller mit Essensresten, auf dem sich Fliegen paaren.
Die Kamera sucht nach Kleinigkeiten, Indizien.
Sie taucht den Teebeutel ins Wasser und zieht ihn vorsichtig wieder heraus.
Ihr Blick geht auf den Gehweg unterhalb des Fensters.
Man sieht einen großen Fleck.
Sie schaut durch das Fenster hindurch auf die Küche.
Noch immer brummt der Kühlschrank –
noch immer ist das Klicken der Ampel zu hören.
Sie geht aus dem Bild.
Im Off vernimmt man das Öffnen des Kühlschranks
und das Knacken beim Öffnen des Gefrierfachs.
Sie sitzt wie ein Kind vor dem geöffneten Eisschrank
und entwickelt – wie zu Weihnachten – das tote Embryo aus Staniolpapier.
Mit viel Ruhe holt sie aus ihrer Jackentasche ein paar Häkelsöckchen
und stülpt sie über die winzigen Füße.
Das Rauschen der Dusche hört auf
und Sie wickelt ihr Kind schnell aber behutsam wieder ein,
schließt das Gefrierfach und den Kühlschrank.
Sie geht zum Fensterbrett – nimmt ihren erkalteten Tee.
Es dämmert.
Aus dem Kiosk an der Ecke ist der singende Weihnachtsroboter zu hören.
Sie schließt das Fenster und setzt sich aufs Bett.
Er kommt herein – schaltet den Christbaum ein
und geht ohne ein Wort zum Kühlschrank – nimmt sich ein Bier,
öffnet es und setzt sich auf die andere Seite des Betts.
Kein Wort über die Leere
Beschämt und doch vergnüglich. – Mit Vorwitz, unverholen tritt sie ein.
Vergessen unsre letzte Nacht, vergessen was so gar nicht trüblich mich umgab.
Hatz Fatz vorbei – nun bist du da. – Alt bekannt, wie ein Pärchen, dessen goldne Zeit
Schon längst gewesen. Ich kuschle mich in deine schwülstig warme Süßlichkeit und Tränen
Wagen sich hervor. – Melancholie geboren aus dem Nichts. Vertreibe meine Kraft und schaffe Sehnsucht, die mich traurig macht.
Ziehe ein und fühle nichts – sollte doch die Freiheit sein. Blaue Luft, ein kühner Schritt
Zu neuen Ufern meines Seins. – Verdammt wo bleibts.
Doch froh Gemuts, wandle ich auf schmalem Steg, der Abgrund hält mich aufrecht.
Ein trefflich Lehrer für das Rückrad, dass gar zu gern sich beugt.
Genuss als Mittel gegen Trübsal, nur bringts der Stengel nicht so recht. Erwähnte ich das Putzen? – nicht? – nun denn, so seis.
Schau ich in den tiefen Eimer, spiegle mich und fühl mich doch verkannt. – Tauche meinen Lappen in das warme Nass. – Nun beginnt die harte Phase, der Kampf, das zuviel mich umgibt. Alles was mich auf Bodenhöhe quert – ein Hindernis. Gäbs doch diese Freiheit, und wärs nur für den Feudel, der ohne Rast mit vollem Schwung durch diese Ebne glitt.
Nun stoß ich hier, verkannte dort – ein Wisch voll Kompromiss. An dieser Stelle folgt die Wut, warum muss ich begrenzt sein, von Stühlen, Tischen, Altpapier, banaler ist kein andres Scheitern. Zuletzt sitz ich erschöpft in meiner Lache, betrachte meinen Lappen der
Schwarz und klumpig zu mir steht.
Duxius – Daredevil – Making Of
Konzeption, Regie, Choreografie für das Video „Daredevil“ von Duxius (Youtube ↗).
Fotos © Holger Kral, Berlin – kral-photography.com
Carmen
von Georges Bizet
Musikalische Leitung: Elias Grandy
Regie: Björn Reinke
Co-Regie und Choreographie: Monica Burger
Bundesjugendorchester
Jeunesses Musicales – Junge Oper Weikersheim, 2021

Carmen: Fiorella Hincapié (CO) Escamillo: Kohoon Han (KOR)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Don José: Leo Jaewon Jung (KOR) Escamillo: Kohoon Han (KOR)
Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Micaela: Ipeleng Kgatle (ZA) Don José: Jaesung Kim (KOR)
Carmen: Gabriela Gómez (CL)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Micaela: Sonja Isabel Reuter (DE) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Julia Werner (DE) Don José: Jaesung Kim (KOR) Morales: Johannes Worms (DE)
Carmen: Julia Werner (DE) Don José: Jaesung Kim (KOR)
Carmen: Julia Werner (DE)
Carmen: Julia Werner (DE) Remendado: Kyoungloul Kim (KOR) Dancairo: Galen Dole (USA)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Micaela: Silvia Sequira (PT) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO) Escamillo: Kohoon Han (KOR)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO) Escamillo: Kohoon Han (KOR)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO) Don José: Leo Jaewon Jung (KOR)
Morales: Johannes Worms (DE)
Carmen: Fiorella Hincapié (CO)
Carmen: Gabriela Gómez (CL)
Carmen: Gabriela Gómez (CL)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Jaesung Kim (KOR)
Carmen: Gabriela Gómez (CL) Don José: Jaesung Kim (KOR)
Partien/Solisten*innen
Carmen: Fiorella Hincapié (CO), Gabriela Gómez (CL), Julia Werner (DE)
Micaela: Sonja Isabel Reuter (DE), Ipeleng Kgatle (ZA), Silvia Sequira (PT)
Frasquita: Lisa Gaiselmann (DE), Bogna Bernagiewiecz (POL), Margareta Köllner (DE), Florence Kei Kuan Chong (MY)
Mercédés: Magdalena Hinz (DE), Julie Nemer (FR)
Don José: Jaesung Kim (KOR), Leo Jaewon Jung (KOR)
Escamillo: Hao Wen (CN), Kohoon Han (KOR)
Remendado: Kyoungloul Kim (KOR), Marcelo Alxandre (PT)
Dancairo: Gideon Henska (DE), Galen Dole (USA)
Zuniga: Christoph Schweizer (DE), Marko Erzar (SI)
Morales: Johannes Worms (DE)
Fotos © Holger Kral, Berlin – kral-photography.com
Cold Song

In der Nacht wird der Mund trocken
In der Nacht wird der Mund trocken. Ich liege wach und überlege ob ich trinken soll.
Dein Atem ist flach. Immer wieder überfällt mich die Angst du könntest aufhören, dich davonstehlen. Wie ein Dieb der glaubt genug erbeutet zu haben.
Die nächtliche Einsamkeit ist eine andere als die am Tage. Bedrohlicher, entgültiger.
Es ist absurd, den ganzen Tag ersehne ich den Abend. Ist er da so möchte ich mich betäuben, um die kommende Nacht zu überleben. Wie zwei Selbstmörder wollen wir die Schuld unseres Leids dem anderen abtrotzen. Der Wein seziert sarkastisch unser Hirn und wir rasen ungebremst in ungewollte Feindschaft.
Eine zwei Liter Flasche Wasser steht neben meinem Bett und ich bin unfähig sie zu greifen.
Als wäre ich so geschwächt, dass der Körper seinen Willen verloren hat.
Ich weiß wie sehr ich dich mal für mal verletze. Spüre deine Verzweiflung wenn ich dir keine Chance belasse zu mir zu dringen. Du möchtest mich schütteln mir wehtun um wenigstens meine Hülle zu erreichen. Stumm schreie ich dir zu – gib auf. – Doch nur du weißt ich lüge.
Dein Herz
Dein Herz
So schwer
Begräbt
Was leicht noch
Gestern
Heimat fand
Ich sehe
Ohne Furcht
Doch hartes Wort
Liegt auf den Lippen
Beschleunigung
Und Abgesang
Drum hebe an
Die Hoffnung
Wagt
Verborgne Kraft
Just in time II
Jacob wie jeden Tag.
Sitzt in seinem BMW – scheucht die anderen Autos vor sich durch die befahrenen Straßen der Großstadt.
Der unvermeidliche Knopf im Ohr überträgt ohne Unterlass Informationen in sein Hirn, die ihn bisweilen zu unkontrollierten Ausbrüchen hinreißen.
Wie immer zu spät…
Sein Termin muss noch warten – Parkplatz – Engpass.
Was soll´s – Jacob überlässt seinen Wagen dem Schicksal: Halteverbot.
Jacob verschwindet in einem der überdimensionalen Glashäuser.
Durch die ab und zu geöffnete Tür des Büros dringen Wortfetzen einer geschäftlichen Debatte – Termingeschäfte…
Jacob stürzt aus dem Büro, überrennt beinahe seine Sekretärin mit dem frisch gebrühten Kaffee.
Er nimmt den Aufzug – schaltet sofort wieder sein Handy ein: Mailbox / wichtige und dringende Nachrichten und:
„Wir haben nicht mehr viel Zeit, uns zu sehen.“
Jacob auf der Straße…
Sieht noch in der Autoschlange seinen BMW am Abschlepphaken.
Wie besessen reißt er den Knopf aus dem Ohr und läuft zum nächsten Taxi – Flughafen…
In aller Ruhe verstaut Jacob sein Handy in der Tasche des Vordersitzes im Taxi.
Alles wird von nun an anders sein…
Jacob geht zum Schalter: „Wann geht der nächst Flug nach Thessaloniki?“
„Morgen um 10.30 Uhr!“
„Das ist zu spät! – Was fliegt jetzt?“
„In einer halben Stunde wäre ein Flug nach Scharm-el-Scheich möglich!“
„Gut!“
Die Formalitäten werden erledigt. Kurz entschlossen kauft Jacob eine etwas zu große Leinenhose und ein T-Shirt und packt seine anderen, edlen Habseligkeiten in die neu erworbene Plastiktasche – sein Gepäck.
Das Flugzeug landet.
Jacob mietet einen Taxi-Fahrer. Es ist heiß. Das Ziel: die offene Wüste – weit und scheinbar unendlich.
Ein kurzer Tankstop und eine gute Möglichkeit, an der Tankstelle noch einen Kaffee zu sich zu nehmen.
Er trifft auf eine junge Dame, eine Österreicherin, die gleichsam sich auf Reisen befindet und ihren Wagen betanken lassen möchte.
Sie sind froh, sich die Zeit zu vertreiben, da weit und breit kein Tankwart zu sehen ist, der sie bedienen könnte. Auch mit dem Kaffee wird es somit nichts…
Ein Beduine zieht Jacob beiseite. Jacob hatte ihn zuvor nicht bemerkt. In fast unverständlichem Englisch macht er deutlich, dass er ihm den besten Kaffee bereiten könnte.
Jacob zahlt den Taxi-Fahrer.
Die Österreicherin wartet weiterhin geduldig auf einen Tankwart und auf einen Kaffee, während Jacob mit dem Beduinen in einem alten Wagen davon fährt, der bei jedem Schlagloch zusammen zu brechen droht.
Jacob denkt sich zunächst, der Beduine führe nur eine kurze Strecke.
Doch dauert die Reise exakt 2 ½ Stunden, eine Reise mitten durch die Wüste.
Auch sind die Wege extrem und anstrengend. Der Motorlärm des alten Wagens macht eine Unterhaltung beschwerlich bis unmöglich.
Dauerhaft läuft eine Kassette mit starken Rhythmen, die jedoch nur einseitig abspielbar ist.
So hören beide entweder Musik oder das Spulen des schon sehr in Mitleidenschaft gezogenen Bandes.
Weit und breit ist niemand zu sehen. Jacob schaut in die Landschaft und in sich selbst –
(Flashback – Begegnungen mit Soulis – Erinnerungen und Fahrt wechseln sich ab)
Nach 2 ½ Stunden.
In der Ferne sieht Jacob ein einsames, schwarzes Beduinen-Zelt.
Der Beduine zeigt Jacob an, dass sie bald ihr Ziel erreicht haben – sein Zelt, bestehend aus zwei Kammern : eine für Gäste, die zweite für seine Familie.
Nach der Ankunft bittet der Beduine Jacob, herumliegendes Holz aufzusammeln, damit er Feuer machen könne.
Mit viel Zeit und Ausdauer entfacht der Beduine ein Feuer, greift dann in einen Leinensack und holt grünen, ungerösteten Kaffee hervor, den er in einem eigenen Rhythmus in einer Pfanne röstet. Das regelmäßige Kreisen der Bohnen ergibt eine eigene Stimmung und Musik.
Der Beduine beendet den Röstvorgang und zerstampft die Bohnen in einem Mörser. Auch hier ergibt sich eine rhythmische Musik: 2x Stampfen 1x Schlagen – an den Rand des Mörsers.
Der Kaffee wird gekocht und auf zwei kleine Tassen verteilt.
Jeder Schluck eine Besonderheit.
Die Unterhaltung wird in einer eigenwilligen englischen Sprache geführt, die häufig in sich versiegt.
Der Beduine lädt zur Rückreise ein – eine Rückreise von weiteren 2 ½ Stunden.
Er räumt sein Zelt auf, säubert die Gegenstände, die Tassen und lächelt…
Auf der Fahrt träumt Jacob von der 3. Begegnung mit Soulis.
Sie fahren zurück zur Tankstelle – keine Österreicherin, kein Tankwart, niemand.
Jacob steigt aus und schaut in die Ferne. Dann blickt er auf den Beduinen, verneigt sich leicht, um nicht die falschen Worte zu wählen.
Der Beduine fährt davon, mit röhrendem Motor, gegen den Wind. Jacob hört ihn noch lange.
Der Fahrer eines Kleintransporters erbarmt sich seiner und nimmt Jacob mit zum Flughafen.
Er ist nun bereit – und fliegt nach Thessaloniki.
Landung / Taxifahrt – es ist schon Nacht und die Stadt lebt, erleuchtete Straßen, schöne, junge Menschen, laute Musik überall.
Jacob geht die letzten Meter zu Fuß. Er steht in der Häusergalerie und schaut in die Höhe – 2. Stock. Er klopft.
Soulis öffnet. „Du bist rechtzeitig mein Freund.“
Sein Wohnatelier mit den alten Mosaikböden oberhalb des lautstarken Stadtlebens – die antike Puppenstube riecht nach Abschied.
Jacob hilft Soulis die schmalen Stiegen hinauf auf die Dachterrasse – bewohnt von Tauben mit Blick auf die Unverblümtheit der Stadt.
Soulis Bett steht auf der Terrasse.
„Ich dachte, dann sehen mich die da oben schneller, als die da unten.“
Jacob setzt sich in einen alten Liegestuhl, Soulis auf sein Bett – beide sitzen und schweigen.
Jacob trinkt – Soulis versucht es ab und zu…
Soulis beginnt zu singen (oder mehr: flüsternd zu krächzen) – Jacob fällt mit ein. Beide lachen.
„Du hast schon immer falsch gesungen, Jacob!“
Jacob schaut auf die Straße herunter und weint…
„Mein Freund lass uns beide nach oben schauen!“
Jacob und Soulis liegen beide auf dem etwas zu schmalen Bett und schauen in den Himmel.
„Hol uns eine Decke.“
Jacob geht hinunter.
Soulis stirbt.
Jacob deckt ihn zu, setzt sich in den Liegestuhl und bewacht seinen Freund. Der Tag bricht an. Es wird nichts mehr so sein wie es war.
Jacob telefoniert: „Nun – ich kann nicht bleiben – ich ziehe einfach die Türe zu – ich werde heute zurückfliegen – bis bald!“
Jacob holt aus seiner Plastiktasche den zerknüllten Anzug, wechselt seine Kleider und verlässt die Wohnung.
Er läuft quer durch die Stadt und nimmt Abschied. Jacob schaut auf die Uhr –
Wenn er den nächsten Flug bekommen möchte, ist es Zeit…
Mit dem Taxi fährt er zum Flughafen checkt ein und sitzt – für ihn sehr plötzlich – im Flugzeug.
Nichts mehr wird sein, wie es war.
Die Stewardess: „Kaffee?“
Jacob blickt auf, schüttelt den Kopf und spürt den unwiederbringlich-bitteren Geschmack eines unwiederbringlichen Moments auf der Zunge…
Der Himmel
Der Himmel
geschwollen unter den Lidern
gezogener Schwur
weißer Streif in der Ferne
ohne Anfang ohne Ende
stehe nackt mit geschlossenen Augen
ein kleiner blauer Punkt
liegt auf der Zunge
schlägt aus
und schießt hinauf zur Stirn
bewegter Mund
ein Lächeln
zwischen hier und dort
Gestern noch
Gestern noch
Ertrug ich Deine unverholene Selbstgier
Vertraut beschwingte mich die Lust
Doch heute
Betrachte stumm
Was Tags zuvor
Wie Klebstoff zäh
Als Bindung galt
Doch heute
Betrunken möchte ich sein
Taumelnd auf dem Sofa landen
Willenlos nach morgen schreien
Ohne Sinn
Doch heute
Schlage meinen Kopf entzwei
Schleudre meinen Körper
Hin
Wo ich ihn suchen muß
Entreiß mich jetzt
Doch heute
Ist es Feigheit
Tiefes nichts
Oder ist mein Wunsch
Wo anders schon erfüllt
Gestern war
Heute ist
Und morgen wird sich zeigen
Jungle line
I want to have a habit
I want to have a habit – to kill my italian lover in russia
oder
How to get rid of an Italian lover – travelling to Russia
Um der italienischen Oberflächlichkeit und Leichtigkeit zu entfliehen – macht Frau m.
Eine Reise nach Russland . – Versucht schlechte Gewohnheiten anzunehmen und sich in einen trunksüchtigen melancholischen Schriftsteller zu verlieben um den italienischen Geliebten zu vergessen. Italienische Canzone gegen russische Balladen.
Auf ihrem Weg trifft sie auf andere Frauen die jeweils auf ihre Weise den Verflossenen um die Ecke bringen. Interviews, heimliche Beobachtungen, Geständnisse
Bambis Schwestern
Zwei Katzen
Zwei Katzen
Mag man meinen
Sind häufig
Eins zuviel
Doch trug sich zu
Das Schicksal
Die beiden Aug in Aug
Ein andres Wesen sahen
Nun war es schon zu spät
Mit wüster Liebelei
Sprache ein Land indem ein jeder einsam ist
Sprache ein Land indem ein jeder einsam ist
Zu viele Zeichen sind Pfeile ohne Ziel
Sie treffen dennoch
Man forscht man glaubt verstand versagt
Lange brauchts vom Mund zum Ohr
Ins Herz
Schweigen ungesprochne Gesten
Wie schön dein Blick – soviel
genügt
Wie tragisch
Wie tragisch
Dieser Unfall
waren uns
Doch so gewogen
Verzerrt
Fast unansehnlich
Ihr Gesicht
Betrübt
Gar traurig
Dieser Anblick
Der Schmerz
Sitzt tief
Umsäumt
Von ihren Augen
Mein Finger
Auf Metal
Ein kurzes Spiel
Mit großer Wirkung
Die Kugel
Bahnt sich
Ihren Weg
Geradewohl
Und ohne Krümmung
Noch glaub ich
Diesen Hall
Zu hören
Der letzte Schlag
In dem Finale
Heimweh – kill your habits
Es ist kalt nass ungemütlich einfach scheiße. Eben Winter in Berlin. Nasti läuft den Kopf eingezogen ihren üblichen Weg durch die gewohnten Gassen. Sie summt vor sich hin obwohl sie mehr als schlechte Laune hat. Krampfhaft versucht sie den Blick gesengt zu halten denn jetzt nähert sie sich dem heikelsten Stück ihres Weges. Ausgerechnet jetzt kommt ein Auto und zwingt sie von der Strasse auf den Gehweg zu wechseln. – Schon ist es passiert. – Ihr Blick fällt unweigerlich auf den von ihr geliebten Schriftzug „Whisky and cigarres“.
Nie hätte sie gedacht das es ihr so schwer fallen würde. Sie verzögert ihren Schritt und drückt sich am Fenster vorbei. Doch wie sollte es auch anders sei natürlich wird sie sofort gesehen.
Ein zaghaftes fast verschämtes Winken und sie schleicht weiter. Was für ein Blödsinn entweder muss sie ab jetzt ihre Route ändern oder sie muss eine kurze Erklärung geben schließlich war sie Stammkundin. Wie sehr man doch an seinen Ritualen hängt. – Kill your habits. – Sie dreht um und betritt den Laden. – Zum letzten mal.
Nasti: Hallo eigentlich wollte ich mich vorbeidrücken.
Verk.: Verelässt du unsere Gemeinde.
Nasti: Zumindest versuch ich’s.
Verk.: Na wir haben ja noch Whisky im Angebot.
Nasti: Wäre vielleicht auch eine Lösung.
Verk.: Für den richtige Entzug solltest du dirs ein bischen leichter machen. Von mir bekommst du 2 Zigarren geschenkt die anderen 2 sollte es dir wert sein. Für diese dicken Dinger brauchst du mindesten eine dreiviertel Stunde wenn dir nicht vorher schlecht wird.
Nastis Handy klingelt.
Nasti: Ja.
Alexa: Sorin ist weg.
Nasti: Wo soll er denn sein?
Alexa: Blöder kann man ja wohl nicht fragen.
Nasti: Entschuldige aber ich bin gerade auf Entzug.
Alexa: Nasti ich muss ihn suchen er hatte Heimweh.
Nasti: Kill your habits.
Alexa: Könnten wir nicht eine kleine Reise machen?
Nasti: Schatz du hast ganz vergessen das ich noch nicht mal die Miete zahlen kann.
Alex: Sei doch nicht immer so kompliziert.
Nasti: Verdammt. Verdammt. Verdammt. Ich komme jetzt erst mal.
Nasti steckt ihr Handy ein und bezahlt die zwei Zigarren.
Sorin. Es war von Anfang an klar das Sorin das Leben nicht vereinfachen würde. Aber er war nun mal in ihr Leben getreten und somit hatte er das Gehirn und zu gewissen Teilen das Gemüt besetzt. Alexa hatte sich sofort in ihn verliebt. Nasti hatte ja zum Glück ihre so herrlich gewohnt unkomplizierte Fernbeziehung mit Roman.
Du wolltest aufhören das zu machen
Du wolltest aufhören das zu machen
Ja ich wollte aufhören damit
Wie geht es dir
Ich weiß nicht
Natürlich weißt du
Es ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt
Was heißt das
Mach dir keine Gedanken
Mach ich aber
Ich bin einfach verwirrt
Du musst nicht stark sein
Will ich aber
Du stehst am Abgrund du kannst jetzt nicht noch alles Mögliche ausprobieren
Ja ich glaube ich fühl mich komisch
Mach dir doch nicht selbst so einen Druck
Ich hab keine Ahnung – ich finde einfach keine Lösung
Du musst nichts lösen alles was du machst ist richtig
Ich schaff das nicht
Du musst nichts schaffen
Ich suche ja
Nein du suchst nicht
Doch wirklich ich suche aber hab noch niemanden gefunden
Wenn du wirklich suchst wirst du auch finden
Es ist besser wenn ich gehe
Warum läufst du davon
Ich mag dich sehr
Jetzt machst du dirs aber richtig einfach
Was auch immer das heißt
Kommst du wieder
Ich glaube nicht – nein ich komme nicht wieder
Kannst du nicht einmal normal ins Bett gehen, normal schlafen und normal aufwachen
Ich hab doch schon viel verändert
Du sollst nicht alles auf einmal machen, nimm dir mal das was du möchtest
Is da noch was von der Schokolade im Kühlschrank







